Barrierefreie Mobilität

„Es ist ein schöner winterlicher Tag im Dezember 2030. Ich befinde mich in meinem Rollstuhl am Sande und mache mich für meinen Spaziergang durch die Altstadt bereit. Ich fahre los und betrachte die Läden und die Stände des Weihnachtsmarktes. Heutzutage kann ich problemlos mit meinem Rollstuhl über das schöne und historische Kopfsteinpflaster fahren. Denn in Lüneburg ist Barrierefreiheit dem Denkmalschutz in der Praxis nicht mehr untergeordnet. Alle Lücken und Fugen des Kopfsteinpflasters wurden mit durchsichtigem, Silikon versiegelt, sodass alle Wege eben sind. Außerdem wurden Fahrstühle in viele Häuser eingebaut und Türen verbreitert. Ich schaue mir die verschiedenen Läden an und halte schließlich vor einer Bäckerei an. Mein Rollstuhl kommuniziert mit der Umgebung, sodass ich direkt bei Angabe meines Fahrtziels weiß, ob der Ort barrierefrei und für mich erreichbar ist. Auf dem Display meines Rollstuhls erscheint ein grünes Licht. Das bedeutet, dass die Bäckerei für mich barrierefrei ist. Gemütlich fahre ich die Rampe hoch und gelange durch die automatische Schiebetür hinein. Dabei hilft die Technik: Sensoren steuern mein Gefährt und eine umschnallbare Geh-Hilfe bewegt meine gelähmten Beine, wenn ich bspw. zur Anprobe von Kleidern aufstehen muss. Nun aber begrüßt die Bäckerin mich herzlich. Sie erzählt mir, dass sie jetzt weniger Steuern zahlen muss als andere Bäckereien, da sie ihr Geschäft barrierefrei gestaltet hat. Lüneburg bietet Unternehmern einen steuerlichen Anreiz ihre Geschäfte und Arbeitsplätze barrierefrei umzubauen.

Beim Checken meiner Mails während des Kaffees sehe ich, dass es neue Fördermöglichkeiten für meine Behinderung gibt. In Kooperation mit Krankenkassen, Ärzten, Land und Bund werden Daten ausgewertet, um uns zu unterschützen. So erfahre ich direkt, wann und wie mein Alltag entlastet werden kann. Außerdem schickt die Stadt jedem Lüneburger im Jahresturnus einen Brief. Es wurden Tipps versendet, wie man Menschen im Rollstuhl und mit Rollator im Alltag helfen kann. Sie baten auch darum bspw. im ÖPNV Rücksicht zu nehmen. Die Briefe haben sehr geholfen! Ich fühle mich integriert in Lüneburg. Ich werde genauso behandelt, wie jeder andere. Das ist sogar auf dem Arbeitsmarkt und in der Uni der Fall. Auf dem Rückweg aus der Innenstadt treffe ich auf einen Grundschüler, der interessiert meinen Rollstuhl begutachtet. Ganz stolz erzählt er mir, dass seine Klassenkameradin Clara ihn manchmal eine Runde drehen lässt. Ein Mal in der Woche spricht die Klasse darüber, wie man Menschen in eine inklusive Gesellschaft integrieren kann – Berührungsängste kennt der Junge nicht! Auf der anderen Straßenseite ist eine Dame mit ihrem Rollator hingefallen. Ein automatischer Alarm wurde ausgelöst, der eine Sprachverbindung mit dem Krankenhaus herstellt. Es kann so festgestellt werden, ob ihr Sanitäter oder ein autonom fahrender Krankentransporter zur Hilfe kommen soll. Auf dem Heimweg schaue ich spontan bei einer Freundin vorbei. Ich betätige den Knopf an der Haustür und rufe eine Drohne, die einen Augenblick später eine Rampe absetzt, sodass ich bequem ins Haus fahren kann. Im Flur wartet der Fahrstuhl bereits mit geöffneter Tür auf mich. Ich schaue aus dem Fenster. Was für eine schöne und barrierefreie Stadt Lüneburg doch ist! Dann klingelt der Wecker – ich öffne die Augen. Ich befinde mich im Jahr 2016. War das alles nur ein Traum? Nein, es war meine Vision der Zukunft, in der mein Leben viel einfacher ist!“

Aus dem Seminar:
Die Zukunft gestalten: Transdisziplinäre Projektarbeit, Mobilität

Seminarleitung:
Matthias Bergmann, Insa Otte

Seminarteilnehmer_innen:
Keno Jakob Canzler; Anika Knösel-Hein; Franziska Daub; Esther Kohlhase; Alexandra Eliseeva; Thoya Urbach

Download des Projektberichts

Diese Vision trägt dazu bei, die folgenden Sustainable Development Goals in Lüneburg umzusetzen und zu fördern: