Bildungsvisionen für Lüneburg

Was hieße es für Sie, wenn Sie von einem auf den anderen Tag Ihre Heimat, Ihre Erinnerungen, Ihre Familie aus Angst zurücklassen müssten? Wie würden Sie sich fühlen, wenn Ihnen an der Tafel jemand Zahlen an den Kopf wirft, die man kaum versteht, da die Sprache schon schwer genug ist? Welche Orte der Begegnung mit zuerst fremden Menschen sind für sie wichtig?
Unsere Bildungsvisionen setzen sich für das Recht auf Bildung ein. Sie decken ein chancengleiches Leben unter Einbezug der Lüneburger Gesellschaft ab.

Wir schreiben das Jahr 2030. Das Wort „Flüchtling“ benutzt niemand mehr. Ahmet sitzt neben seinem Freund Jakob im Mathematikunterricht der Klasse 8F. Ein buntgefächertes Spektrum an Nationalitäten. Ihm fällt der Unterricht aber schon recht leicht. Anders als seinen Freunden aus der DAZ-Klasse (DAZ – Deutsch als Zweitsprache), die erst noch lateinisch alphabetisiert werden. Doch in zwei Wochen darf sein Freund Mustafa in seine Klasse wechseln und mit ihm spannende Textaufgaben lösen. Nach der Schule hat Ahmet Jakob zum Essen daheim eingeladen. Seine Mutter macht den allerbesten Kebab – eines von vielen Rezepten, das sie in der Volkshochschule weitergibt. Ahmets Schwester schafft es nie pünktlich zum Essen, weil sie noch arbeiten muss. Aber sie ist sehr stolz auf ihren Ausbildungsplatz und hat freundliche und hilfsbereite Kollegen. Ahmets Vater arbeitet als Dolmetscher, um zwischen Neuankömmlingen, Schulen und Arbeitgebern zu vermitteln. Diese Familie ist nur eine von vielen, die sich sehr gut integriert hat. Trotz des neuen Lebens haben sie ihre alte Identität nicht aufgegeben, da ihnen hier Offenheit und Interesse begegnet. Für die meisten Geflüchteten bleiben diese Beispiele jedoch eine Illusion.

In Anbetracht der Sustainable Development Goals ist Bildung eine Kernforderung (z.B. Goal: „Quality Education“[1]). Heutige Ansätze greifen zu kurz und reichen nicht aus, um Sprach- und Bildungslücken nachhaltig zu schließen. Dieses Seminar beschäftigte sich damit, für Themenkomplexe wie Schule, Volkshochschule oder Ausbildung die Vision eines Bildungskatalogs zu erarbeiten, um die Willkommenskultur in Lüneburg langfristig zu etablieren. Dieser Bildungskatalog entwickelt sich aus der Innovationskultur der Lüneburger Region heraus, aus Expertisen der nachhaltigen Entwicklung, oder der lokalen Kulturarbeit. Wir gewinnen diese Expertisen der Lüneburger Gesellschaft für den Bildungskatalog über einen demokratischeren Weg der Ideenfindung. Mit unserem Diversity-Zentrum als beratendes Schaufenster des Katalogs, sowie dem „Migration Think Tank“ für eine Stadtentwicklung als zivilgesellschaftliche Ideenwerkstatt.

Stellschrauben für eine nachhaltige Veränderung sind auf politischer, bildungswissenschaftlicher und zivilgesellschaftlicher Ebene anzusetzen. Zur Veränderung der heutigen Situation sind Projekte bzw. Initiativen notwendig. So sollte eine berufsbezogene Sprachförderung gewährleistet sein, die zugleich aufschlussreiche Berufseinblicke bietet. An Schulen gibt es teilweise DaZ-Lerngelegenheiten, um sprachliche Integration zu ermöglichen. Es gibt erste Institutionen, die sich mit der Anerkennung von im Ausland erworbenen Qualifikationen beschäftigen, die den Einstieg ins Berufsleben erleichtern. Beides muss bundesweit selbstverständlich werden. Jeder Bürger und jede Bürgerin darf sich berufen fühlen, nicht nur beobachtend, sondern auch Akteur und Akteurin von Integration zu sein. Helfen Sie mit an der Weiterentwicklung des vielfältigen und wachsenden Lüneburgs – als bundesweites Vorbild für eine nachhaltige Willkommenskultur.

[1] http://www.un.org/sustainabledevelopment/education/(15.03.2016).

Aus dem Seminar:
Bildungsvisionen für eine Lüneburger Wilkommenskultur – ein Projektseminar zur Veränderung der Bildungssituation von Geflüchteten

Seminarleitung:
Christine Katz, Wiebke Schwandt, Tom Schmidt

Seminarteilnehmer_innen:
Anja Blättermann, Ann Sophie Sperlich, Moana Wirth, Hauke Stegen, Enrico Erler, Lena Milnikel, Gesa Hedrich, MeliseSülün, Lennart Möller, Antje Busse, Ruslan Faber, Lukas Bußmann, Lukas Schumacher, Lara Loeser, Suna Yilmaz, Pascal Klüver, Dorothea Schmidt, Andrea Lich, RiekeBurfeind, Vivien Conrad, Charlotte Düring, Luisa Kalvelage, Sinja Matthies, Louisa Szymorek, Laura Jung, Esther Timm, Joana Nietfeld, Luka Zimmer

Pat_innen:
Antje Busch (DaZ-Lehrerin in der Oberschule am Wassertum, Lüneburg), Birgit Borchert (VHS Region Lüneburg), Petra Güntner (Vorsitzende des Integrationsbeirats für Hansestadt und Landkreis Lüneburg), Stefanie Huber (IHK Lüneburg-Wolfsburg), Pia Steinrücke (Sozialdezernentin Stadt Lüneburg)

Diese Vision trägt dazu bei, die folgenden Sustainable Development Goals in Lüneburg umzusetzen und zu fördern: