Der altruistische Homo oeconomicus: In welcher Unternehmenslandschaft kann der Mensch leben?

Die Symptome einer brüchigen Gesellschaft treten immer häufiger zu Tage: Von Überpopulation über die Flüchtlingskrise bis zum Klimawandel begegnen uns tagtäglich die Missstände dieser Welt. Zumindest eine Quelle der Probleme liegt in einem Wirtschaftssystem, welches darauf abzielt, die Reichen reicher und die Armen ärmer zu machen, indem sie Menschen genauso ausbeutet wie die finite Ressource Erde.

Weder zielt das Wirtschaftssystem auf soziale Gerechtigkeit, noch auf den langfristigen Erhalt unserer Umwelt ab. In diesen Tagen mag es leicht sein, das Vertrauen in unsere Gesellschaft zu verlieren – welche Art von Gesellschaft aber ist unsere Zukunft? Wäre alles andere als eine Abkehr von unserer bisherigen Wirtschafts- und Lebensweise lediglich die Symptombehandlung eines unnatürlichen statt gemeinschaftlichen Lebensstils? Ist der bürgerliche Kapitalismus die Zukunft der Lüneburger Zivilgesellschaft oder gibt es Modelle und Innovationen, welche ein nachhaltiges und gemeinwohlorientiertes Ziel verfolgen?

Unser Seminar beschäftigt sich mit dem Wirtschaftskonzept der Stadt Lüneburg 2030. Wir prüfen die Produktions- und Konsumstätten auf Strategien der Nachhaltigkeit und richten einen Fokus auf mögliche Formen des alternativen Wirtschaftens. Zusammen mit Praxispartner_innen und Expert_innen entwerfen wir neue wirtschaftliche und konkret unternehmerische Zielsetzungen.

Die Stellschrauben für Veränderung wirken zunächst als Zangenangriff auf die Unternehmenslandschaft der Zukunft: In einem demokratischen Staat kann die Zivilgesellschaft durch Wahlen Einfluss auf die Politik nehmen; in einer nachfrageorientierten Wirtschaft als Konsument die Weichen auf Veränderung stellen. Die Politik wirkt indes von „oben“ auf die Wirtschaft ein und gestaltet über Gesetzgebungen die Unternehmenslandschaft. Etwas abseits steht die Wissenschaft in der Verantwortung, neue Prinzipien von Wirtschaftlichkeit zu erforschen.

Einer Vision aus wissenschaftlicher Perspektive widmen wir uns in drei Projektgruppen. Eine Gruppe untersucht das Prinzip transformativer Unternehmen. Diese erfüllen die Kriterien eines ökologisch nachhaltigen Unternehmens. Auch trägt es diese Kriterien aktiv nach außen: Es fördert das nachhaltige Verhalten bei wirtschaftlichen Partner_innen, seiner Lieferkette und beim Konsumenten, beteiligt sich also an einer moderneren Unternehmenslandschaft. Hilfe haben wir durch Interviews mit Unternehmer_innen und Wissenschaftler_innen vom Fach bzw. Ökonom_innen und Praxispartner_innen aus den Chefetagen erhalten.

Mit der Vision einer werbefreien Zukunft befasst sich die zweite Gruppe. Sie beleuchtet psychologische, ökonomische, ökologische Ziele und Verantwortungen der Werbung – wie sie aktuell sind und in der Zukunft sein sollten. Hier orientieren wir uns an aktuellen Beispielen, in denen bereits die Vision einer werbefreien Stadt umgesetzt wurde, wie z.B. in Sao Paolo.

Das Phänomen des aufkommenden „Network-Marketings“ betrachtet die dritte Gruppe unter Aspekten der Gemeinwohlorientiertheit.

Die größte Herausforderung ist die Umwandlung einer Utopie in eine umsetzbare, lokale Vision. Dieser Aufgabe haben wir uns angenommen und vertrauen darauf, den Impuls auch im Kopf jedes Einzelnen zu sehen: Die Saat hierfür zu säen begreifen wir als unser eigentliches Projekt.

Aus dem Seminar:
Gemeinwohlorientiertes Wirtschaften in der Stadt

Seminarleitung:
Gerrit von Jorck

Seminarteilnehmer_innen:
Sabine Dittmar, Eduardo Alcaraz, Danny Hinrichs, Katinka Tabor, Bayram Karagün, Burak Akman, Thekla Molnar, Charlotte Ahlschwede

Pat_innen:
Norbert Bernholt, Klaus Günther, Stefan Voelkel, Andreas Pusch, David Amri, Gunnar Heunisch, Sabine Hofmeister

Diese Vision trägt dazu bei, die folgenden Sustainable Development Goals in Lüneburg umzusetzen und zu fördern: