Kultur „von oben” und „von unten”

Ist-Zustand

Lüneburg ist eine Stadt mit einem großen kulturellen Angebot. Lüneburg hat viel Potenzial. Als Anwärterin auf eine UNESCO Weltkulturerbestätte, Hanse- und Universitätsstadt mit kulturwissenschaftlicher Fakultät, bietet sie besonders gute Voraussetzungen für eine kulturell lebendige und diverse Stadt.
Die fast 10.000 Studierenden der Leuphana Universität bringen zusätzliche Impulse und Netzwerke aus ganz Deutschland und darüber hinaus mit und bereichern so ebenfalls das kulturelle Angebot der Hansestadt Lüneburg.

Feste Strukturen jedoch machen es der etablierten Kultur zuweilen schwer, sich zu wandeln und sich für neue Konzepte und Themen zu öffnen; sie erschweren aber auch kleinen Initiativen, sich zu etablieren und randständige gesellschaftliche Fragen; in den kulturellen Mainstream zu rücken. So verwundert es nicht, dass nachhaltige Entwicklung als gesamtgesellschaftliche und politische Herausforderung bei den Kultureinrichtungen nicht überall Teil der Agenda ist. Auf der anderen Seite bezieht auch die Stadt die kulturellen Akteur_*innen in der Regel nicht mit ein, wenn es um Fragen einer nachhaltigen Entwicklung im urbanen Raum geht, wie etwa städtische Klimaanpassungsmaßnahmen oder die Errichtung eines neuen Stadtviertels nach ökologischen Standards. Kulturfragen und Nachhaltigkeitsfragen sind unterschiedlichen Verantwortlichen und ihren Ressorts zugeordnet.

Visionen

Im Jahr 2030 pulsiert in der Hansestadt ein vielfältiges kulturelles Leben. Sie zieht ein ganz gemischtes Publikum aus Stadt und Region mit ihrem kulturellen Angebot an. Auch die nahe gelegene Großstadt Hamburg gibt Impulse für neue Kulturaktivitäten in Lüneburg.

Die Kulturlandschaft in Lüneburg ist heterogen, d.h. kleine Initiativen „von unten“ jenseits des Mainstream finden ebenso Räume, Anerkennung und ggf. Unterstützung wie etablierte Institutionen. Das städtische Kulturangebot ist ein Gemeinschaftsprojekt aller. Die Trennlinien zwischen der „Hochkultur“ und der „Subkultur“ verschwimmen. Die Stadt ermöglicht der Kulturszene Freiräume, d.h. „unbeschriebene“ physische und infrastrukturelle Räume, die offen und mit ästhetischen Mitteln von unterschiedlichen Akteuren gestaltet werden können. Kulturinitiativen werden von Seiten der Stadt nicht nur finanziell unterstützt, sondern auch organisatorisch.

Sowohl die Stadtverwaltung als auch kulturelle und andere städtische Akteur_*innen sorgen für einen themen- und ressortübergreifenden Austausch untereinander. Dies gilt insbesondere für Fragen von Nachhaltigkeit und Stadtentwicklung. Dafür werden ebenfalls Orte und Plattformen geschaffen und strukturell verankert. Aus Verwaltungssicht bedeutet dies, dass Kulturschaffende an stadtplanerischen Entscheidungsprozessen beteiligt werden. Einbringen können Sie ihre spezifischen Perspektive in Form von ästhetischen Beiträgen, die z.B. gemeinsam mit der Stadtbevölkerung entwickelt werden. Kulturelle Initiativen und Institutionen wiederum können Räume anbieten, innerhalb derer sie über städtische Herausforderungen im Kontext nachhaltiger Entwicklung nachdenken und Vorschläge entwickeln.

Interessant ist dabei, dass die konkreten Eigenschaften der vielfältigen kulturellen Räume einbezogen werden. Was bedeutet es, auf einer Theaterbühne über die Energiewende nachzudenken? Wie beeinflusst der White Cube im Museum die Diskussion über Verteilungsgerechtigkeit? Wie reden wir in den schallgedämmten Wänden des Musikclubs über Klimaanpassung? Und was passiert, wenn die Schauspieler des Theaters mit den Nachhaltigkeitsbeauftragten und Energieberater_*innen in einer Galerie Impro-Theater spielen? Auf dieser Grundlage entwickeln sich Kooperationen zwischen den vielen Kulturakteur_*innen und anderen Initiativen der Stadt. So können sie gemeinsam an stadtgesellschaftlichen Herausforderungen arbeiten oder Ressourcen, Aufgaben und Räumlichkeiten teilen. Die Stadtteile außerhalb werden damit ebenso attraktiv wie die Innenstadt. Die öffentlichen Verkehrsmittel fahren die Kulturinstitutionen auch am späten Abend noch an, damit jeder das kulturelle Angebot nutzen kann. Die Bewohner_*innen der Stadt engagieren sich  für ihre Stadt. Die Kulturszene leistet damit einen Beitrag zur Stadtentwicklung und regt die Bürger_*innen zur Teilhabe an. Sie schafft Begegnungsstätten, in der die Bürger_*innen diskutieren können und bietet Raum und Arbeitsweisen an für kreative Ideen und Innovationen. Außerdem bietet die Kulturszene jedem_r Bürger_*in die Chance, zu partizipieren und verbindet die Lüneburger_*innen untereinander und mit ihrer Stadt. Es werden Vorurteile abgebaut, Solidarität vermittelt und eine Lüneburger Identität entwickelt.

Mit kultureller Bildung werden soziale, ökologische, ökonomische und kulturelle Nachhaltigkeitsthemen problematisiert. Es gibt Gemeinschaftsprojekte, wie eine Aktionswoche zur Nachhaltigkeit, zu der alle Kulturinstitutionen Perspektiven beitragen. Kultur als vierte Dimension in der Nachhaltigkeitsdebatte wird in Lüneburg gelebt. Sie ist Motor für Innovation und Indikator für die hohe Lebensqualität und Attraktivität der Stadt.

Aus dem Seminar:
Kulturelle Möglichkeitsräume einer nachhaltigen Stadtentwicklung

Seminarleitung:
Verena Holz

Seminarteilnehmer_innen:
Neele Jacobi, Hung Q. Phung, Kira M. Schäfer, Isabell Haugwitz, Anna S. Binder, Greta Harmssen, Frederike Müller, Arnold Dueck, Léa M. Oltmanns, Imke Jalass, Svea – Lynn Waldeck, Jeanine A. Passgang, Merle Wilkening, Jana Schweer, Sophia C. Brumund, Katharina C. Quester, Luca Sumfleth, Davina Nibasumba, Paula Reiprich,  Selma M. Böhmelmann, Frederika Kroll, Niclas Schnackenburg, Tedda Krohn, Pia Dilba, Lea Karwoth, Aaron-Corin Hane, Anna Blume-Hirtz

Diese Vision trägt dazu bei, die folgenden Sustainable Development Goals in Lüneburg umzusetzen und zu fördern: