2030: Ein Lüneburg ohne Mauern

Frühjahr 2016: Die Welt ist geprägt von Mauern. Mauern im Kopf, die den ungefärbten Blick auf das Andere verhindern, und schlimmer noch: einen Raum für die vermeintliche Unterlegenheit des Fremden bilden und dabei den Gedanken an fruchtbare Diversität im Keim ersticken. Sie sind gefertigt aus Vorurteilen und Ängsten und ihr Bau erfährt heute – mit dem Vormarsch sozialer Netzwerke – mehr denn je einen unkalkulierbaren Antrieb. Solche Mauern existieren auch in Lüneburg. Die Hansestadt 2030: Kinder und Familien, egal welcher sozialen Stellung, Nationalität oder Konfession sie angehören, leben an einem Ort ohne Mauern. Sie haben einen Feldzug gegen die Isolation gewagt, um dem Ziel einer unvoreingenommenen Gesellschaft, in der der Charakter des nächsten zählt, nicht aber sein kultureller Hintergrund oder Geschlecht, näherzukommen. Dazu bedarf es keiner Waffen oder Befehle, wohl aber einer Erkenntnis: Mauern implizieren Macht – das war in China so und das lehrt die deutsche Geschichte. In der hier skizzierten realen Karikatur aber birgt diese Tatsache überdies ein Paradoxon: Jene, die in diesem Gefängnis leben, sind auch jene, die seine Mauern errichtet haben. Wer sind diese mächtigen Bauherren und wie wurden sie zu solchen? Ersteres ist schnell zu klären: Die Verantwortung lastet auf der Masse der Gesellschaft, in der viele – irgendwann zwischen Kinderwiege und Schulbesuch – verlernt haben, mit dem Herzen zu schauen. Die Angst vor dem Scheitern, dem sozialen Absturz und dem totalen Verlust dessen, was ihm vermeintlich Wertigkeit verschafft, treibt den Menschen zu Höchstleistungen an, stellt die persönliche Karriere ins Zentrum allen Handelns und lässt die Wahrnehmung für sein soziales Umfeld nur noch begrenzt zu. Diese Eigendynamik ist auch deshalb so gefährlich, weil sie bisweilen in Erpressbarkeit und dem Verlust von Empathie mündet. Dem gilt es heute, 2016, entgegenzuwirken. Der Schlüssel zum Erfolg nennt sich Sicherheit, konkreter: die Sicherheit eines jeden, wertvoll zu sein und Respekt zu verdienen, ohne dafür eine Gegenleistung erbringen zu müssen. Keimzelle für diesen Prozess kann etwa ein Ort der Begegnung sein, an dem jeder willkommen ist, seine individuellen Erfahrungen, sein Können oder seine Kultur zu vermitteln – und die des Nächsten kennenzulernen. Die gemeinsame Erfahrung wird hier zur Abrissbirne für unschöne Mauerwerke.

Aus dem Seminar:
Die soziale Dimension der Nachhaltigkeit

Seminarleitung:
Jorge Guerra González

Diese Vision trägt dazu bei, die folgenden Sustainable Development Goals in Lüneburg umzusetzen und zu fördern: